Das Projekt

Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener

Analphabetismus bei uns in Deutschland? Ja, den gibt es. Darum hat das Bundesbildungsministerium mit wichtigen Partnern eine bundesweite Aufklärungskampagne gestartet. Eine multimediale Ausstellung tourt quer durch Deutschland.

Bei der Jahreskonferenz der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung 2016-2026 (AlphaDekade) in Berlin wurde die neue Grundbildungsstudie "LEO 2018 - Leben mit geringer Literalität", der Universität Hamburg  veröffentlicht. Danach gibt es in Deutschland noch rund 6,2 Millionen Erwachsene, deren Lese- und Schreibkompetenzen für eine volle berufliche, gesellschaftliche und politische Teilhabe nicht ausreichen. Sie können zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben, nicht jedoch zusammenhängende, auch kürzere Texte wie zum Beispiel eine schriftliche Arbeitsanweisung verstehen.
12,1 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung können in Deutschland nicht oder nur unzureichend lesen und schreiben. Bei weiteren 10,6 Millionen Menschen oder 20,5 Prozent der Erwachsenen tritt fehlerhaftes Schreiben selbst bei gebräuchlichen Wörtern auf.
Dabei ist es nur ein kleiner Schritt, der so viel verändern kann. Damit mehr Menschen diesen Schritt wagen, unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung zahlreiche Programme, die es Analphabeten leichter machen, Lesen und Schreiben zu lernen.

Dekade der Alphabetisierung

Bund und Länder wollen in den nächsten zehn Jahren die Lese- und Schreibfähigkeiten von Erwachsenen in Deutschland deutlich verbessern.

Der Anteil Erwachsener in Deutschland, die nicht richtig lesen und schreiben können, hat sich in den vergangenen acht Jahren um fast ein Fünftel verringert. Das zeigt die neue Grundbildungsstudie "LEO 2018 - Leben mit geringer Literalität", die die Universität Hamburg heute auf der Jahreskonferenz der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung 2016-2026 (AlphaDekade) in Berlin veröffentlicht. Danach gibt es in Deutschland noch rund 6,2 Millionen Erwachsene, deren Lese- und Schreibkompetenzen für eine volle berufliche, gesellschaftliche und politische Teilhabe nicht ausreichen. 2011 waren es noch 7,5 Millionen, also etwa 1,3 Millionen mehr.

Auch bei der Gruppe Erwachsener, die nicht mehr als funktionale Analphabeten gelten, sondern zusammenhängende Texte verstehen, aber dennoch nicht gut lesen und nur sehr fehlerhaft schreiben können, gab es einen beachtlichen Fortschritt. Hier verringerte sich die Anzahl von vormals 13,4 Millionen auf nun 10,6 Millionen Menschen. Die Enttabuisierung des Themas sowie die Bereitstellung von geeigneten und attraktiven Selbstlernangeboten haben zu dieser positiven Entwicklung beigetragen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die AlphaDekade mit insgesamt rund 180 Millionen Euro. In den vergangenen Jahren haben die Länder vielfältige Initiativen ergriffen: So haben sie Netzwerke mit vielfältigen Partnern ausgebaut, neue Kurse und Grundbildungszentren eingerichtet und das Problem gegenüber der Öffentlichkeit besonders bewusstgemacht.


https://www.bmbf.de/de/universitaet-hamburg-und-bundesbildungsministerium-veroeffentlichen-neue-8555.html

Zahlen und Fakten

Die vom BMBF geförderte LEO-Studie der Universität Hamburg hat aufgezeigt: In Deutschland leben fast zweimal mehr Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten als bislang angenommen. Die wichtigsten Informationen haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Mehr als jeder Achte

6,2 Millionen Menschen oder 12,1 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung können in Deutschland nicht oder nur unzureichend lesen und schreiben. Bei weiteren 10,6 Millionen Menschen oder 20,5 Prozent der Erwachsenen tritt fehlerhaftes Schreiben selbst bei gebräuchlichen Wörtern auf.

Mehr Männer als Frauen

Die Verteilung nach Geschlechtern zeigt: Männer stellen mit 58,4 Prozent die Mehrheit der gering literarisierten Erwachsenen. Im globalen Maßstab ist es genau umgekehrt: Vom sogenannten funktionalen Analphabetismus sind mit Zwei Drittel Frauen und Mädchen betroffen.

Mehr Ältere als Jüngere

Menschen über 45 Jahre machen den größeren Teil der Erwachsenen mit geringen Fähigkeiten im Lesen und Schreiben aus. Den beiden ältesten Jahrgangsgruppen gehören 46,9 Prozent an. Ältere Menschen sind demnach häufiger betroffen als junge Erwachsene.

Mehr Bildungsferne als Bildungsnähe

Die Höhe des Schulabschlusses weist einen starken Zusammenhang mit der Lese- und Schreibkompetenz auf. Mehr als 60 Prozent der Menschen mit Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben besitzen keinen (ca. 22 Prozent) oder einen niedrigen Schulabschluss (ca. 40 Prozent). Wer das Lesen und Schreiben in den ersten Schuljahren nicht ausreichend gelernt hat, kann es im weiteren Schulverlauf kaum nachholen.

Mehr Erwerbstätige als Arbeitslose

Rund 60 Prozent der Menschen mit Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben sind erwerbstätig. Viele von ihnen arbeiten in sogenannten Helferjobs und sind An- oder Ungelernte. Für ca. 87 Prozent der Personen mit geringer Lese- und Schreibkompetenz ist Arbeit wichtig, weil sie das Gefühl vermittelt, dazuzugehören.

Fragen und Antworten

Was ist funktionaler Analphabetismus?
Ob eine Person als Analphabet gilt, hängt vor allem davon ab, welchen Grad an Schriftsprachbeherrschung die Gesellschaft erwartet, in der die Person lebt. In unserer modernen Wissens- und Informationsgesellschaft mit ihren hohen Anforderungen an die Beherrschung der Schriftsprache gelten Personen als funktionale Analphabeten, die zwar Buchstaben, Wörter, auch einzelne Sätze lesen und schreiben können, jedoch Mühe haben, einen längeren zusammenhängenden Text so zu verstehen, dass sie einen praktischen Nutzen davon haben.

Was bedeutet funktionaler Analphabetismus im Alltag?
Bedienungsanleitungen, Produktverpackungen, Beipackzettel – ohne ausreichende Lese- und Schreibkenntnisse wird der Alltag zu einer permanenten Herausforderung. Um zurechtzukommen, brauchen Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten viel Kraft und Kreativität. Oft werden ausgeklügelte Strategien entwickelt, damit das Problem in der Schule, am Arbeitsplatz, im Sportverein, beim Einkaufen, beim Arztbesuch und sogar im Familien- und Freundeskreis nicht weiter auffällt.

Wo gibt es Kurse zum Lesen- und Schreibenlernen?
Die Technische Akademie führt die Grundbildungsangebote mit Hilfe eines qualifizierten Dozentenpools durch – in den Räumlichkeiten der Unternehmen und auch im Hause der Technischen Akademie.

Wenn Sie wissen wollen, wer in ihrer Nähe Lese- und Schreibkurse anbietet, rufen Sie ganz einfach das ALFA-TELEFON an: 0800-53 33 44 55. Und das kostenlos aus allen Netzen. Oder Sie nutzen den Kursfinder des Bundesverbands Alphabetisierung und Grundbildung e. V.  – eine interaktive Deutschlandkarte mit den wichtigsten Kursangeboten vor Ort.

Wie lange dauert das Lesen- und Schreibenlernen als Erwachsener?
Wer zu Beginn seines Lese- und Schreibkurses einzelne Buchstaben kennt und vier Stunden pro Woche investiert, wird nach einigen Monaten schon viele Wörter lesen können. Wer bereits Wörter lesen kann, wird in der gleichen Zeit kleinere Texte lesen lernen. Und wer mit fortgeschrittenen Lese- und Schreibfertigkeiten startet, kann damit rechnen, sich innerhalb dieser Monate wichtige Rechtschreibregeln anzueignen und weniger Fehler zu machen.

Wird die Teilnahme an Alphabetisierungskursen gefördert?
Die anfallenden Honorarkosten der Kursangebote der Technischen Akademie sind durch die Projektfördermittel für die Projektlaufzeit gedeckt.
Es gibt aber viele Varianten der finanziellen Förderung für Grundbildungsangebote. Interessierte wenden sich am besten an die zuständige Arbeitsagentur oder – im Fall der Bildungsprämie – an eine der fast 600 Beratungsstellen in Deutschland. (Info-Telefon: 0800-26 23 000)

Wie viele funktionale Analphabetinnen und Analphabeten gibt es überhaupt?
Seit 2011 liegen gesicherte Zahlen zum funktionalen Analphabetismus in Deutschland vor. Zuvor hatte die Universität Hamburg die Lese- und Schreibkompetenz der erwachsenen Bevölkerung untersucht. Demnach sind 7,5 Millionen Erwachsene aufgrund ihrer begrenzten Lese- und Schreibfertigkeiten nicht in der Lage, am gesellschaftlichen Leben in angemessener Form teilzuhaben.

Ursachen und Merkmale

Ursachen und Merkmale von funktionalem Analphabetismus

Ursachen

Trotz Schulpflicht können mehr als 7 Millionen Erwachsene in Deutschland nicht richtig lesen und schreiben. Das hat viele Ursachen: etwa fehlende Aufmerksamkeit in Elternhaus und Schule. Schon das kann den Grundstein für lebenslange Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben legen. Hier erfahren Sie mehr über Hintergründe und Ursachen.

Probleme im Schriftspracherwerb

  • Motivationsverlust
  • Mangelnde didaktische Angebote
  • Schlechte Erfahrungen in der Schule

Seelische Belastung in der Schule

  • Starke Strafen bei Schulversagen

Merkmale

"Entschuldigung, ich habe meine Brille vergessen. Können Sie mir das vorlesen?" Diese Bitte kann bereits ein Hinweis auf funktionalen Analphabetismus sein. Denn Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten finden Wege, das Lesen und Schreiben im Alltag zu vermeiden. Weitere Merkmale erklären wir hier.

Nichtverstehen schriftlicher Informationen

  • Nichtbeachten schriftlich erteilter Aufforderungen (z.B. Einladungen)
  • Nichtverstehen schriftlicher Aufgabenstellungen/vorgelegter Texte

Lese- und Schreibanforderungen werden vermieden

  • Beförderungen werden ausgeschlagen
  • Schriftlich zu erbringende Unterlagen und Nachweise fehlen

Alternative Strategien

  • "Ich habe meine Brille vergessen."
  • "Ich habe meine Hand verletzt."
  • "Die Schrift ist zu klein. Ich kann das nicht lesen."
  • „Machen Sie das doch gleich mal."
  • "Sie können das besser."
  • "Das Formular nehme ich mit, ich mache das zu Hause."

Informationen für Unternehmen

Mehr als die Hälfte aller Erwachsenen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten ist berufstätig. Vielfach wissen selbst enge Kolleginnen und Kollegen nichts von den Problemen. Dabei bietet gerade das Arbeitsumfeld die Chancen für professionelle Unterstützung.

Lesen und Schreiben im Beruf

Mehr als 14 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung in Deutschland können nicht richtig lesen und schreiben. Doch ohne ausreichende Lese- und Schreibkenntnisse wird der Arbeitsalltag zu einer andauernden Herausforderung. Hier zeigen wir, wo Betroffene arbeiten.

  • 56 Prozent: Baugewerbe (Hilfskräfte)
  • 40 Prozent: Büros, Gastronomie / Hotels (Hilfskräfte)
  • 34 Prozent: Transport- & Frachtarbeiter
  • 30 Prozent: Hausmeister, Hauswart, ähnliche Berufe
  • 29 Prozent: Fertigung (Hilfskräfte)
  • 27 Prozent: Köche und Küchenhilfen
Positive Effekte für die Wirtschaft

In Zeiten des Fachkräftemangels sind qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wichtiger denn je. Alphabetisierung im Arbeitsumfeld kann viel zur Sicherung des betrieblichen Fachkräftebedarfs beitragen. Denn lesen- und schreiben lernen ist für Unternehmen und Beschäftigte ein Gewinn. Die positiven Effekte für die Wirtschaft verdeutlichen wir hier:

  • Bessere fachliche Qualifikationen: Alphabetisierung als Grundlage für weitere Qualifikationen
  • Weniger krankheitsbedingte Fehlzeiten: Besserer Gesundheitszustand, weniger psychische Belastungen
  • Höhere Flexibilität: Beschäftigte flexibler einsetzbar, auch für Tätigkeiten, die Lesen und Schreiben erfordern
  • Steigende Leistungsfähigkeit: Stärkere Ausschöpfung persönlicher Potenziale. Damit einhergehen: Größere Arbeitszufriedenheit und steigende Leistungsfähigkeit
  • Geringere Personalkosten: Qualifikation von bestehendem Personal für zukunftsfähige Tätigkeiten. Deshalb: Einsparung von Kosten für die Gewinnung von Personal
  • Geringere betriebs- und volkswirtschaftliche Kosten: Lese- und Schreibschwierigkeiten am Arbeitsplatz führen zu Folgekosten
  • Verbesserte Kommunikation mit den Kunden und im Team
  • Mehr Sicherheit und Selbstvertrauen Ihrer Mitarbeiter/innen in Berufs- und Alltagssituationen
Fachinformationen

Die Informationsblätter des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bieten Hilfestellung im Umgang mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ohne ausreichende Lese- und Schreibkenntnisse, außerdem Lehrmaterialien und Lernangebote.

Informationen für Mitarbeiter und Dozenten

Selbst lernen

Alphabetisierung bietet viele Chancen für die Wirtschaft. Unterstützen Sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Lese- und Schreibschwierigkeiten und informieren Sie sich hier zu Förderangeboten und Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen.

Selbstlernangebote:

Lese- und Schreibkompetenz testen mit
der "leo. App" :

https://itunes.apple.com/de/app/leo.-app/id695120989?mt=8

Lernen mit "eVideo 2.0" :

http://www.lernen-mit-evideo.de/

Lernwerkstatt:

http://abc-lernwerkstatt.de

Beluga:

http://abc-projekt.de/beluga/

Leicht lesbare Lektüre:

http://www.schwaebisch-gmuend.de/8297.php
leicht lesbare Lektüre finden Sie in der Gmünder Stadtbibliothek

otulea:

http://www.ifeb.uni-bremen.de/otulea/reaApplication.html

alpha-fundsachen:

http://www.alpha-fundsachen.de/

iCHANCE:

https://www.ichance.de/

 

Lehr- und Lernmaterialien